Als traditionelle Kübelpflanze eigentlich bestens bekannt, haben in den letzten Jahren die Gartenzeitschriften das Thema 'Oleander' verstärkt aufgegriffen. Bisher kein Gemeingut war, dass neben den üblichen rosa, rot oder selten weiß blühenden Oleandern noch eine Vielzahl anderer Schattierungen (lachs, aprikose, gelb, z.T. duftend) in südlichen Baumschulen erhältlich ist. Und dass die Farbe nur eine der wichtigen Eigenschaften ist. Neben den üblichen Oleandern der Gartencenter und Supermärkte, die, weil (zu) stark wüchsig, zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt sind, gibt es zahlreiche Sorten, die auch nach 10 Jahren das Winterquartier noch nicht sprengen. Dort, wo viel Pflanze für wenig Geld angeboten wird, erhält man schwach wüchsige Sorten natürlich nicht. Ausgefallene Farben sieht man so gut wie nie, oft sind diese Sorten empfindlicher, lassen sich nicht so leicht vermehren, müssten deshalb teurer sein als die Standardware von der Stange.
Wer nur einen hübsch blühenden Oleander als sommerlichen Balkon- oder Terrassenschmuck will und wo eine Überwinterung nicht vorgesehen oder nur schlecht möglich ist, der fährt mit den Sonderangebot-Oleandern am besten. Was das Preis/Leistungsverhältnis angeht, ist zu Hunderttausenden produzierte Massenware unschlagbar.
Wer sich aber zu dem nicht geringen Prozentsatz an Liebhabern zählt, der an einer Pflanze über Jahre eine Freude haben will, dessen Geschmack sich nicht an der Masse orientiert, wird oft lange suchen müssen. Und findet er endlich einmal in einem Gartencenter eine extravagante Sorte, zeigt die Pflanze oft Mängel. Man kann sagen: Je ausgefallener eine Sorte ist und je älter die Pflanze, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine kranke Pflanze zu erwerben.
Oft sind schon die Stecklinge krank; nicht weiter tragisch und auch nicht verwunderlich: Im Süden, wo ihnen das Klima zusagt, sind wohl alle älteren Pflanzen krank und gedeihen trotzdem. Wer sich in mitteleuröpäischen Regionen intensiver mit Oleander beschäftigen möchte, wo diesem das Klima nicht so zusagt,tut gut daran, auf gesunde Pflanzen zu achten.
Bei empfindlichen Sorten können auch ältere Pflanzen eingehen, obwohl man keinen Pflegefehler gemacht hat. Eine vorbeugende Maßnahme zu unterlassen, kann schon ausreichen. Bei Pseudomonas wird man Abstriche machen müssen: Der in südlichen Baumschulen überall vorhandene Oleanderkrebs (Pseudomonas), selten letal, aber häßlich, macht eine Produktion gesunder Oleander dort schwierig. Selbst der Einsatz von Antibiotika kann diese Krankheit nicht heilen, sondern nur den Ausbruch der Symptome unterdrücken. Symptomfreie Oleander sind deshalb nicht zwangsläufig gesund!
Unsere Oleanderproduktion in Oberbayern
Seit über 25 Jahren beschäftigen wir uns mit Oleandersorten. Da die Produktion, wenn man ein großes Sortiment mit kleinen Stückzahlen hat, in Mitteleuropa nicht ökonomisch ist, haben wir früher unsere Sorten-Oleander vor allem in Südfrankreich eingekauft, nach Farben sortierte Solitärpflanzen in Italien. Nicht selten hörten wir dann Klagen über Krankheiten, die bei regelmäßigem Pflanzenschutz in der Gärtnerei kaum sichtbar waren, mittelfristig aber beim Kunden.
Jahrelange Versuche mit Pflanzenbehandlungsmitteln aller Art führten zum Schluß, dass sich gesunde Pflanzen nur selbst produzieren lassen und diese streng getrennt von zugekauften herangezogen werden müssen.
Seit über zehn Jahren können wir diese Pflanzen anbieten; nicht alle Sorten, als Büsche nur in kleiner Größe, aber auch als Stamm. Diese Pflanzen sind weitestgehend frei von Krankheiten (incl. Pseudomonas). Ältere Pflanzen stammen aus Importen. Oft schon seit Jahren im Betrieb, sind sie weitgehend frei von Schädlingen und Krankheiten (excl. Pseudomonas).
Oleandersorten
Die meisten Liebhaber von Blütenpflanzen neigen dazu, sich Pflanzen allein nach Ausprägung, Farbe und Form der Blüte auszusuchen (rot, rosa, weiß, gelb, aprikose, lachs; einfache oder gefüllte Blüte). Die Entscheidung für eine Sorte nur auf Grund der Blüte ist jedoch wenig sinnvoll.
Nicht nur, daß für die meisten Farben die Vorstellung fehlt und sie sich nicht farbgetreu abbilden lassen, werden Hinweise auf Blühwilligkeit und Blütenreichtum üblicherweise unterschlagen. Vor allem die Wuchskraft und der Habitus (die Wuchsform) der Sorten sind höchst unterschiedlich. So erreichen manche Zwergsorten nach 10 Jahren gerade Kniehöhe, andere zeichnen sich durch meterlange Neutriebe aus.
Daraus resultiert ein extrem breites Spektrum an Verwendungsmöglichkeiten. So lassen sich flach wachsende Sorten im Wintergarten durchaus als Bodendecker einsetzen, schwach wachsende mit überhängenden Trieben eignen sich für Ampeln, stark wachsende sieht man im Süden oft als Straßenbaum.
Gerade für Wintergärten, wo es immer an kleinkronigen Blütenbäumen mangelt, ist Oleander ideal. Ausgepflanzt selbst im ungeheizten Solarhaus aushaltend, macht ihm auch häufige Überhitzung weit weniger aus als den rivalisierenden Hibiskus. Wie diese sind die meisten Sorten Dauerblüher. Solange die Durchschnittstemperatur nicht deutlich unter 10°C fällt, blühen sie auch im Winter, sonst etwa ab Ende März.
Nur gute Sorten blühen auch nördlich der Alpen gut - wir beraten Sie gerne.
Die bei uns oft seit -zig Jahren bewährten Sorten haben für heutige Wohnverhältnisse den Nachteil, daß sie meist zu rasch bzw. stark wüchsig sind und vor der Überwinterung zurückgeschnitten werden müssen. Sie blühen erst im Sommer voll, weil sie zuerst neue Triebe bilden müssen, an deren Ende dann die Blüten erscheinen. Schwächer wachsende Sorten sind oft besser, sie müssen kaum eingekürzt werden. Doch werden sie fast nie angeboten, selbst im gut sortierten Gartencenter wird man selten fündig. Zu den üblichen Sonderangebot-Oleandern: So kompakt sie erscheinen mögen, sollte man sich nicht blenden lassen. Die industrielle Produktion von Oleander ist heute - wie bei Hibiskus - ohne Wachstumsregulatoren ('Stauchemittel') nicht vorstellbar, die Wirkung verfliegt aber rasch.